Die bajuwarischen Siedler geben Aschheim und Dornach ihre Namen – Aschheim erlebt seine Blütezeit.
Seit dem frühen Mittelalter wurden sowohl Aschheim wie auch Dornach kontinuierlich besiedelt – aus dieser Zeit stammen auch die Namen der beiden Orte.
Die zahlreichen Spuren des frühen Mittelalters bezeugen eine größere bajuwarische Siedlung, die sich in Ost-West-Achse etwa von der Kirche St. Peter und Paul bis über den heutigen Ort Aschheim hinaus nach Osten erstreckte. In den Jahren 1997/98 legten Archäologen ein großes Gräberfeld mit ehemals über 450 Bestattungen frei, auf dem in der Zeit zwischen etwa 500-700 n. Chr. bestattet wurde. Ein weiteres, zeitgleiches Gräberfeld fand sich 2002 nahe des Wasserturms. Hier konnten 21 Bestattungen mit reichen Beigabenausstattungen geborgen werden. Gräber innerhalb eines Kreisgrabens und Hofgrablegen belegen für das 8. Jahrhundert eine Übergangsphase, bevor die frühen Aschheimer ihre Toten auf dem Kirchfriedhof bestatteten oder bestatten durften.
Freigelegte Gräber im frühmittelalterlichen Gräberfeld von Aschheim-Bajuwarenring, 6./7. Jahrhundert
Große Vogelwirbelfibel, aus einem Frauengrab, um 600
Amulettanhänger aus Bergkristall, aus einem Frauengrab, 7. Jahrhundert
Bereits um 600 n. Chr. errichtete vermutlich eine vornehme, christliche Familie in Aschheim eine Holzkirche im Bereich eines Separatfriedhofes. Diese Kirche gehört damit zu den ältesten Kirchen in Bayern. Frühchristliches Gedankengut zeigt sich durch die Bestattung der Angehörigen bei der Kirche, aber auch durch die Mitgabe eines Goldblattkreuzes und einer Bronzeschüssel mit eingraviertem Kreuz. Etwa um 700 wurde der hölzerne Bau durch einen Bau mit Steinfundament oder einem Steinbau ersetzt. Ausgrabungen in und bei der Aschheimer Pfarrkirche konnten die frühen wie auch die späteren Kirchenbauphasen aufzeigen. Das zunächst als Eigenkirche genutzte Gotteshaus wurde innerhalb des 9. Jahrhunderts zur Pfarrkirche.
Steckkreuze, die in der Apsis des ehemaligen römischen Bades gefunden wurden und hier für kurze Zeit christliche Kultpraktiken belegen, 7. bis frühes 8. Jahrhundert
Die Aschheimer Kirche St. Peter und Paul in einer Ansicht um 1898
Die Dornacher Kirche St. Margareta dürfte ebenfalls eine frühmittelalterliche Gründung sein. Erstmals erwähnt wird sie in einer zwischen 957 und 972 verfassten Urkunde. Sie besaß Zehntrechte, was bedeutete, dass die Bauern Abgaben zu ihrem Unterhalt entrichten mussten. Eine eigenständige Pfarrei entwickelte sich in Dornach nicht. Zunächst zur Pfarrei Ottendichl gehörig, übernahm im 17. Jahrhundert das Kloster Weyarn die Kirche, seit dem 19. Jahrhundert gehört sie zur Pfarrei Aschheim.
Die Dornacher Kirche St. Margareta im Jahre 2002
Die erste Aschheimer Kirche war bald bayernweit bekannt – vor allem wegen eines prominenten Mannes, der hier für einige Zeit bestattet lag. Die Rede ist vom heiligen Emmeram. Wie der Freisinger Bischof Arbeo überliefert hat, wirkte Emmeram, ein aus Frankreich stammender Bischof, in Regensburg am bayerischen Herzogshof. Er hatte die Aufgabe, den christlichen Glauben der frühen Baiern zu vertiefen. Einer Intrige zum Opfer gefallen, wurde er einer ungesicherten Überlieferung im Jahr 652, wahrscheinlicher jedoch erst um 680/690, auf dem Weg nach Rom in Helfendorf grausam gemartert. Seine Begleiter wollten den Verwundeten nach Aschheim bringen, da sie hier von einer dem heiligen Petrus (= St. Peter) geweihten Kirche wussten.
Bei Feldkirchen verstarb Emmeram. Er wurde in der Aschheimer Kirche begraben. In seiner Vita heißt es weiter, danach habe in Aschheim ein 40-tägiges Unwetter geherrscht, das die Aschheimer als Zeichen deuteten, Emmeram doch nach Regensburg – seiner früheren Wirkungsstätte – zu überführen, wo er schließlich in seinem Kloster die endgültige Ruhe fand.
Bischof Arbeo von Freising, in einer Darstellung des Hochmittelalters
Das Martyrium des heiligen Emmeram in einer Darstellung des 12. Jahrhunderts
Sichtbar gemachte erste Grabstelle des heiligen Emmeram an der heutigen Kirche St. Peter und Paul
Der Name des Ortes Aschheim ist erstmals in einem bemerkenswerten Protokoll überliefert. Es handelt sich um die Aufschrift der Beschlüsse, die auf der ersten bayerischen Landessynode hier in Aschheim im Jahr 756 oder 757 stattfand. Man nennt die villa publica ascheim als Versammlungsort, der dem damaligen Herzog Tassilo III. jedoch bereits von früheren Ereignissen bekannt war. Villa Publica bezeichnet dabei wohl einen Ort, in dem sich herzöglicher Besitz befand. Die Synode war eine Versammlung des Klerus und der weltlichen Großen, die in 15 Beschlüssen geistliche und weltliche Angelegenheiten regelten.
Jahrhundertelang war das Protokoll der Aschheimer Synode verschollen, ehe es im 18. Jahrhundert wiederentdeckt wurde. So konnte Aschheim 1956 die 1200-Jahr-Feier und 2006 die 1250-Jahr-Feier dieser ersten bayerischen Landessynode festlich begehen.
Auch Dornach besitzt eine frühmittelalterliche Überlieferung seines Ortsnamens. Spuren frühmittelalterlicher Siedlung (sicher seit dem 7. Jahrhundert) fanden sich vor allem unter dem heutigen Ort sowie leicht nördlich davon. Der Name Dornah findet sich erstmals in einer Urkunde, die zwischen 856-859 datiert und einen Grundstückstausch zwischen Bischof Anno von Freising und einem Adligen Namens Craman verbrieft. Im Jahre 2006 feierte Dornach seine 1150-Jahr-Feier.
Geprägt vom Lehnswesen und der Kirche entwickeln sich die Dörfer.
Nach der Absetzung Herzog Tassilos III. im Jahr 788 endete die vielversprechende Entwicklung Aschheims, das bislang auf dem Weg zu einem politisch-kirchlichen Zentralort war. Das Herzogsgut wurde als fränkisches Königsgut eingezogen und in nachkarolingischer Zeit als Lehen ausgegeben. Die Entstehung von Kleinadeligen belegen die Nennungen der Edlen von Aschheim im 12. Jahrhundert in Freisinger, Tegernseer und Ebersberger Urkunden. Später waren es vor allem Münchner Patriziergeschlechter, die Aschheim teils als herzoglich-bayerisches Lehen in Besitz hatten. Klangvolle Namen sind darunter: Schrenk, Rosenbusch, Donnersberg sowie die Familien Ruepp und Lerchenfeld. 1835 stellte König Ludwig I. den letzten Aschheimer Lehnsbrief aus.
Während Dornach in der Neuzeit eher von größeren Höfen und damit stärker bäuerlich geprägt war, überwogen in Aschheim Bauern mit Nebenerwerb bzw. Handwerker mit zusätzlicher Landwirtschaft. In Dornach traten seit dem späten Mittelalter vermehrt kirchliche und klösterliche Grundherren auf, während der Grundbesitz in Aschheim zunehmend in adeliges bzw. bürgerliches Eigentum (s.o.) überging.
Ortsansicht von Dornach, 1920er Jahre
Ortsansicht von Aschheim, 1930er Jahre
Eine besondere Entwicklung nahm der Sterbeort des heiligen Emmeram auf freiem Felde, heute nahe Feldkirchen gelegen. Hier sollen sich zahlreiche Wunder ereignet haben, weshalb die Bevölkerung eine Kapelle errichtete. Diese schenkte König Ludwig der Deutsche 853 dem Kloster St. Emmeram in Regensburg. Das 1315 verfasste älteste Kirchenverzeichnis des Bistums Freising nannte die Kapelle Münstern, was auf eine kleine Mönchsniederlassung hindeutet. 1524 erscheint das St.-Emmerams-Kirchlein als Filiale der Pfarrei Aschheim, zu der die Kapelle bis heute gehört.
Als Einsiedelei mit einem Mönch ist die Kapelle Anfang des 18. Jahrhunderts belegt, da hier eine Klause erbaut wurde, in der der Eremitenlehrer die Kinder aus Aschheim und Umgebung unterrichtete. Diese erste Schule bestand in dieser Form bis 1803, als der letzte Eremit wegen Altersschwäche die Klause verließ. Im Zuge der Säkularisation wurden Kapelle und Klause 1807 abgerissen.
Die Emmeramskapelle bei Feldkirchen, wie sie 1843 wiedererrichtet wurde
Nach langem Hin und Her und einer Zeit mit lediglich provisorischem Schulunterricht mal in Aschheim, mal in Kirchheim, gelang zwischen 1813/1814 in Aschheim der Bau einer staatlichen Schule, in der seit dem Frühjahr 1815 Unterricht stattfinden konnte.
Ein Neubau gleich neben der ersten Schule an der Ismaninger Straße erfolgte 1900. Dieses Gebäude – heute das Rathaus – blieb bis 1973/74 Aschheims einzige Schule. 1974 öffnete die heutige Kelten-Grundschule am Herdweg ihre Türen.
Die alten Aschheimer Schulen – rechts das erste Schulhaus von 1814, links das um 1900 errichtete Gebäude – das heutige Rathaus in einer Aufnahme von 1956
Die Nähe zu einer wichtigen Fernverkehrsstraße befördert die Errichtung römischer Landgüter.
Die Römer, die den Raum nördlich der Alpen 15 v. Chr. eroberten, dürften sich etwa ab 30 n. Chr. in Aschheim niedergelassen haben – dies zumindest verraten uns die Datierungen der Hölzer, mit denen die ersten Brunnen der Neusiedler gebaut waren. Bislang konnten drei Niederlassungen in Form von Villae rusticae (römische Bauernhöfe), z. T. mit Handwerkstätigkeit, nachgewiesen werden, zwei weitere werden vermutet.
Die günstige Lage in der Nähe einer Hauptverbindungsstraße von Augsburg nach Wels/Oberösterreich dürfte der Grund für die Wahl des Standortes gewesen sein. Relativ gut bekannt ist der römische Gutshof an der Straße nach Feldkirchen, der ein Haupthaus mit zwei in Stein errichteten Eckbauten aufwies. In dem westlichen Anbau befanden sich ein Badetrakt und ein Vorratskeller. Rösthäuser und eine Handmühle belegen landwirtschaftliches Leben auf dem Hof, der sicher seit dem 1. Jahrhundert bewohnt war. Ein Münzdepot belegt die Nutzung bis ins 2. Drittel des 4. Jahrhunderts.
Rekonstruktion des Hauptgebäudes eines römischen Gutshofs (1.-4. Jh.), der in Aschheim am Aussiedlerhof ausgegraben wurde
Luftbild der Badebereiche im Hauptgebäude. Oben liegt ein älterer Bau (wohl 1.-2. Jh.), nach dessen Brand der größere, unten sichtbare Bereich aus Tuffsteinen errichtet wurde
Seit 4500 Jahren wurde das Aschheimer Gebiet fast kontinuierlich besiedelt – die Anfänge liegen bei den Menschen am Ende der Jungsteinzeit.
Einzelgräber der sogenannten Schnurkeramischen Kultur und eine kleine Grabgruppe von Menschen der Glockenbecher Leute sind hierfür die ältesten Zeugnisse. Sie stammen aus der späten Jungsteinzeit (ca. 2500 v. Chr.), als man bereits nach Kupfer suchte und von den fruchtbaren Lössgebieten die Flüsse aufwärts in neue Gebiete vordrang.
Eines der ältesten Gräber auf Aschheimer Flur – ein Mann der Schnurkeramischen Kultur, ca. 2500 v. Chr.
Ein Glockenbecher – nach seiner charakteristischen Form wird eine Bevölkerungsgruppe mit spezifischer Bestattungssitte benannt
Spuren einer sicher dauerhaften Siedlung wurden 1994 beim Bau des Aschheimer Frachtpostzentrums und im Bereich der Möbelhäuser südlich von Aschheim entdeckt. Keramik und Siedlungsreste gehören in die Zeit zwischen 2000 und 1600 v. Chr. sowie in die späte Bronzezeit um 1200-800 v. Chr.
Neben weilerartigen Gehöftstrukturen der frühen Eisenzeit (800-450 v. Chr.) entstanden in der keltischen La-Tène-Zeit (ca. 450-15 v. Chr.) dörfliche Niederlassungen. Eine größere keltische Siedlung und ein Gräberfeld legte man 1993/1994 und 1999-2001 in Dornach frei. Neben Grabbeigaben, Keramik und einer Goldmünze bargen die Archäologen aus einem Brunnen eine Bronzestatuette der griechischen Göttin Athene (römisch: Minerva), die aus der Zeit um 100 v. Chr. stammt.
Statuette der Göttin Athene/Minerva aus Dornach, ca. 100 v. Chr.
Keltische Fußringe aus Buntmetall, aus einem Frauengrab, ca. 350/300 v. Chr.
Besonders interessant erscheinen Spuren einer spätestkeltischen Siedlung in Dornach sowie eine wohl erst in der Zeit um 50 v. Chr. neu angelegte Siedlung in Aschheim. Möglicherweise zeigen sich hier erste Hinweise auf einen harmonischen Übergang zwischen einheimisch-keltischer Besiedelung und der neuen Lebensweise, die römische Zuzügler etwa ab 30 n. Chr. mitbrachten.
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